Alltägliches

LAGERBREITE VS LAGERTIEFE

Heute würde ich gern mit dir über zwei sehr wichtige Kennzahlen sprechen, die wir als PKA sehr gut beeinflussen können – zum Wohle der Kunden und zum Wohle der Wirtschaftlichkeit deiner Apotheke.
Ich selbst bin seit einigen Monaten dabei, diese beiden Kennzahlen an unseren Standorten zu optimieren und dachte, dazu wäre ein Podcast doch perfekt!
Es geht heute um die Kennzahlen Lagerbreite sowie die Lagertiefe!
Zwei sehr wichtige Parameter, die du mit Sicherheit bereits jeden Tag beeinflusst.
Was die bedeuten und welche Vor- & Nachteile sie mit sich bringen, das hab ich für dich einmal zusammengefasst.

Als Einkäuferin in 2 Vor-Ort-Apotheken steht für mich ein oberstes Gebot ganz oben auf der Prioritätenliste: Lieferfähig sein!
Denn genau das ist ein wichtiger Punkt, in dem wir uns massiv vom Versandhandel unterscheiden. Artikel sind im besten Fall für den Kunden sofort verfügbar, oder können innerhalb weniger Stunden bestellt oder geliefert sein.
Um diese Lieferfähigkeit optimal zu gewährleisten oder sogar zu verbessern, kannst du dir die Lagertiefe und die Lagerbreite deines Warenlagers einmal genauer anschauen. Und ggf. Tiefe gegen Lagerbreite eintauschen.
Aber was bedeutet das jetzt alles? Tief, Breit…
2 Beispiele: Die Wintersaison startet und du bevorratest dich mit deinem Top-Renner: Nasenspray…Aufgrund der hohen Umschlagshäufigkeit und guter Bestellkonditionen bestellst du Ware für 3 Monate. Hier gehst du also in eine tiefe Lagerbestückung. Du hast also eine höhere Bestandsmenge eines bestimmten Produktes an Lager.

Natürlich gehört dazu auch wieder ein gut aufgestelltes Erkältungsregal in der Freiwahl, mit verschiedenen Produkten rund um die Erkältungssaison. Hier gehst du also in die Lagerbreite: du hast mehrere verschiedene Produkte an Lager, womöglich aber in einer geringen Menge, die du je nach Bedarf auffüllst. Hier entsteht eine Lagerbreite im Sortiment.

Beide Kennzahlen können Vor-, aber auch Nachteile mit sich bringen.
Beginnen wir mit der Lagertiefe, also einen hohen Bestand eines bestimmten Arzneimittels.
 Ein tiefes Lager, ist vor Allem dann sinnvoll, wenn es sich um Schnelldreher handelt, oder Ihr z.B. eine Aktion zum Artikel durchführen wollt. Hier sind höhere Bestände sinnvoll um lieferfähig zu bleiben aber auch um einen gewissen Warendruck im Regal aufbauen zu können um den Verkauf an zu regen. Meist werden bei höheren Bestellmengen auch Konditionsstaffeln angeboten, die sich positiv auf die Preisgestaltung und den Ertrag auswirken können.
Lagertiefe im Sortiment bedeutet aber auch: gebundenes Kapital!
Jede Packung die Ihr lagert kostet natürlich Geld und Lagerkosten. Ganz zu schweigen davon, dass die vielen Packungen natürlich auch noch von dir als PKA gehandelt werden müssen. Einbuchen, Verräumen, im Lager sortieren und den Verkauf der Packungen sicherstellen, damit im Anschluss keine Retouren oder Verfallartikel entstehen. 

Haben wir gut eingekauft und ein Valuta verhandelt, dann hilft uns das natürlich schonmal sehr, aber schauen wir einmal auf den RX-Bereich, dann wird schnell klar, wie wichtig ein gutes Controlling der Lagerparameter ist.
Denn die Großhandelsrechnung kommt auf jeden Fall. Und wenn ich bis dahin die Packungen nicht umschlagen / also in Rezepte oder Geldwerte umtauschen konnte, bleibt schnell eine Menge Geldwert im Lager liegen. 
 Hier ist Fingerspitzengefühl und das Betrachten verschiedener Gesichtspunkte nötig. Achtet darauf Produkte nicht über zu bevorraten und kontrolliert bei Euren Bestellungen jede einzelne Packungszahl. Die Software errechnet hier zwar schon viel von selbst, jedoch ist die eigene Einschätzung und Korrektur der Bestellmengen Gold und Geld wert.

Wer sein Lager nicht aus allen Ecken sprengt und auf Lagertiefe weitestgehend verzichtet, hat mehr Möglichkeiten sein Lager breit aufzustellen.
Das heisst, mehr Produktauswahl in kleinen Mengen da zu haben.
Wenn wir beim Erkältungsregal bleiben wollen, könnte sich hier ein Regal mit nur einem Erkältungsbad in hoher Anzahl, wandeln in ein Regal mit 3 verschiedenen Packungsgrößen sowie einem Kinder-Erkältungsbad.
Wir können also mit einem breiteren Warenlager eine größere Palette an Kundenwünschen abdecken. Gespartes Geld, das nicht in Zuviel gleiche Artikel investiert wurde, kann nun in eine breitere Sortierung umgewandelt werden.
Und schon ergibt sich eine höhere Lieferbarkeitsquote. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde sich für eines der Bäder entscheidet ist hoch. Er hat sogar eine kleine Auswahl. Auch im Rx-Sortiment kann so die Lieferbarkeit erhöht werden. Wenn z.B. das Ramipril nicht nur von einer Firma vorrätig ist sondern auch von 2 weiteren, die z.B. Rabattvertragspartner weiterer Kassen sind. Dadurch erhöht sich auch die Möglichkeit sofort eine Alternative anbieten zu können, statt eine Bestellung zum nächsten Tag.
Diese Möglichkeit der Alternativ-Angebote ist besonders in bestellfreien Zeiten, wie Notdienst oder offenem Sonntag wichtig!
Auch auf sich änderndes Verschreibungsverhalten oder ständig wechselnde Rabattverträge kannst du flexibler reagieren.

Aber auch ein breites Lager muss regelmässig kontrolliert werden.
Denn mehr verschiedene Packungen, bedeutet auch engmaschige Kontrollen der Ladenhüter, Nester oder Rabattverträge, um hier auch schnell das Lager wieder bereinigen zu können.

Übrigens: wer seinen Erfolg gern auf Basis des durchschnittlichen Lagerumschlags auswertet, der muss bei Umstellung auf ein breites Lager vermutlich mit einem geringeren durchschnittlichen Lagerumschlag rechnen. 
 Hier wäre es sicher sinnvoll auch die Auswertung der Nachlieferungsquote in Betracht zu ziehen, um zu sehen, ob die Umstellung auf ein breiteres Angebot Wirkung zeigt.

Ihr seht, ein breites oder tiefes Sortiment hat verschiedene positive aber auch negative Aspekte, die von dir als PKA betrachtet werden müssen. 
 Wann lohnt es sich wirklich einen Artikel tief zu bevorraten.
Oder ist die Umstellung auf ein breites Lager ggf.besser, um die Lieferbarkeit deiner Vor-OrtApotheke zu erhöhen und dich so deutlich vom Versandhandel ab zu setzen.

Ich selbst frage mich ganz klar auch, ob in Zukunft z.B. Halbjahres-, oder Jahresbevorratungen wirklich noch sinnvoll sind und dementsprechend stelle ich mein Einkaufsverhalten in Absprache mit der Geschäftsleitung um. Immer auf die Unternehmensziele und derzeitigen Anforderungen
angepasst.
Für mich und meine Bestellvorgänge steht eines weiterhin klar im Vordergrund: maximale Lieferbarkeit und somit höchste Kundenzufriedenheit. Lieferbarkeit plus eine kompetente Beratung sind einfach unsere Visitenkarte als Vor-Ort-Apotheke.
Für mein Lager ziehe ich ein tiefes Angebot nur in bestimmten Fällen in Betracht.

Je nach Apotheke, Standort und Unternehmensziel können diese beiden Kennzahlen aber ganz individuell bewertet werden.

Zwei Listen oder Auswertungen, die dir helfen können, ein zu schätzen, ob du zu tief oder nicht breit genug ausgestattet bist, sind einerseits die Nester-Listen und Ladenhüter-Auswertungen. Hier kannst du sehr schnell erkennen, ob bei dir zuviel Ware liegen bleibt.
Andererseits solltest du regelmässig die Anfrage-Listen oder Neinverkäufe auswerten.
Ein kleiner praktischer Tipp noch: Schau dir bei jeder Grosshandelsbestellung oder beim Wareneingang die Kundenbestellungen an und check hier mal die Abverkaufsstatistik der bestellten Artikel.
Geht der Artikel z.B. schon regelmäßig über den Ladentisch, wurde aber noch immer nicht an Lager gelegt?
Dann kannst du das jetzt ändern und deinen Kollegen auf dem Abholschein eine Notiz hinterlegen, dass dieser Artikel jetzt für den Kunden an Lager gelegt wurde. Über diesen Service freut sich auf jeden Fall jeder…!
Und schon konntet Ihr auch wieder ein Stück zur Kundenzufriedenheit beitragen!

Übrigens: mit Blick auf die Zukunft und steigenden Zahlen an Vor-Ort-Apotheken, die mit einer Webshop-Anbindung starten, ist ein breites Lager möglicherweise auch eine gute Option. Denn durch die Anbindung an die eigene Software könnte der Kunde die Verfügbarkeit im Shop prüfen und sehen, dass er sein Arzneimittel bei dir sofort erhalten kann!

Wie siehts in deinem Lager aus?
Ich wünsche dir viel Erfolg beim Wirtschaften und Auswerten!

Anja

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